Probe zum Konzert am 2. Oktober: 29. April 2010
Prenzlauer Zeitung vom 03.05.2010
Proben für ein Konzert der Superlative
Musik: Der Uckermärkische Konzertchor und die Kantorei
bereiten sich auf den ersten gemeinsamen Auftritt seit 20 Jahren vor.
Er erklingt am 2. Oktober.
Von Oliver Spitza

Prenzlau. Fast 20 Jahre ist
es bereits her, dass der Uckermärkische Konzertchor und die
Kantorei Prenzlau ihr erstes und letztes gemeinsames Konzert gaben. Am
7. Oktober 1990 traten der Konzertchor, der Posaunenchor und die
vereinigten Kirchenchöre der Kreisstadt gemeinsam in St. Marien
auf, um an die Kirchweihe 650 Jahre zuvor zu erinnern. Seitdem ist viel
Zeit die Ucker hinabgeflossen und so mancher Chorabend gestaltet
worden. Aber eben nicht mehr gemeinsam. Das soll sich in diesem Jahr
ändern.
Kantorei und Konzertchor wollen am 2. Oktober um 19 Uhr in St. Nikolai
ein besonderes Konzert geben, die erste gemeinsame Probe mit den circa
100 Sängerinnen und Sängern hat am Donnerstag im Plenarsaal
stattgefunden. Es wird nicht die letzte gewesen sein, denn die Werke,
die Jürgen Bischof und Hannes Ludwig präsentieren wollen,
sind höchst anspruchsvoll. Werke zweier Komponisten werden im
Mittelpunkt stehen, an die in diesem Jahr ebenfalls mit Jubiläen
gedacht wird. Zum einen Louis Victor Jules Vierne (1870-1937), zum
anderen César Franck (1822-1890). Beide sind in Paris gestorben,
beide sind Vertreter der französischen Romantik, beide waren nicht
nur bedeutende Komponisten, sondern auch Organisten.
Vierne wurde bereits mit einer schweren Sehbehinderung geboren, man
erkannte jedoch frühzeitig seine musikalische Begabung. Ab 1880
erhielt er Klavierunterricht und hörte im selben Jahr erstmals
César Franck an der Orgel der Pariser Kirche St. Clotilde.
Für ihn war dies das Schlüsselergebnis, eine Art Offenbarung.
Ab 1887 erhielt Vierne Orgelunterricht, ab 1889 bei César
Franck. Sein Studium am Konservatorium schloss er mit dem 1. Preis in
Orgelspiel und Improvisation ab. 1898 schrieb er seine erste
Orgelsinfonie. Von 1900 bis zu seinem Tod war Vierne Titularorganist
der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Schwere Schicksalsschläge
ereilten ihn. 1906 musste er nach einem komplizierten Beinbruch seine
Pedaltechnik völlig neu erlernen, 1907 erkrankte er
lebensbedrohlich an Typhus, einige Jahre später an grünem
Star und erblindete völlig. Trotzdem unternahm er Konzertreisen
durch Europa und Amerika. Er starb 1937 am Spieltisch seiner geliebten
Orgel in Notre-Dame an den Folgen eines Gehirnschlags.
Die Prenzlauer haben sich für ein von Vierne im Jahr 1900
komponiertes Werk für großen Chor und zwei (!) Orgeln
entschieden: Die große Messe solennelle cis-Moll. Ein Werk, das
noch nie im Nordosten Deutschlands aufgeführt worden ist. „Sind
die feierlichen Teile des Kyrie und das triumphierende Gloria und
Sanctus noch traditionell romantisch komponiert, so schlagen die
geheimnisvollen Harmonien des Benedictus einen völlig neuen Ton in
der Kirchenmusik an. Die Messe schließt friedvoll mit lang
anhaltenden Phrasen im Agnus Dei und bringt mit Echospiel zwischen Chor
und großer Orgel das Werk zu einem wunderbar ruhigen,
tröstlichen Abschluss“, schrieb die Fachpresse.
Das zweite tragende Werk des Abends wird César Francks „Psalm
150“ sein. Der Professor für Orgel am Pariser Konservatorium
komponierte das Werk für Orgel und Chor 1884. Es greift den
Bibelpsalm 150 auf: „Halleluja! Lobet den Herrn in seinem Heiligtum;
lobet ihn in der Feste seiner Macht!“
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